Der Abwasserspeicher im Osthafen oder der schlechte Stand von guten Ideen in Berlin

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Blick auf den Osthafen (Foto: Adbar, CC-by-SA 3.0)

Berlin braucht Menschen wie Ralf Steeg. Der Diplomingenieur entwickelte mit viel Herzblut in einem Pilotprojekt einen schwimmenden Abwasserauffangtank, der seit 2011 im Osthafen in Friedrichshain-Kreuzberg bei jedem starken Regen insgesamt über zehn Millionen Liter ungeklärtes Schmutzwasser auffängt, dass die überforderte Kanalisation andernfalls direkt in die Spree geleitet hätte. Nun läuft das durch den Bund finanzierte Pilotprojekt aus – und die Stadt Berlin zeigt bisher nur wenig Interesse daran, die technisch bewährte Anlage aufzukaufen und weiter zu betreiben (DIE WELT).

Ironischerweise mit Unterstützung des BUND werden der „Schutz des Orts- und Landschaftsbildes, der Erhalt der natürlichen Eigenart der Landschaft sowie der Erhalt der Funktion als Erholungsgebiet“ (BUND Berlin) als Gegenargumente angeführt (wir halten kurz inne, um uns die natürliche Eigenart der Landschaft vor Augen zu führen – eine ehemalige Hafenanlage in einem begradigten Fluss mit einigen ankernden alten Frachtern). Vollkommen ignoriert werden die Pläne Steegs, die schwimmenden Tanks als grüne, begehbare Inseln zu gestalten. Deutlich zu erkennen ist die salonfähige Abwehrhaltung in Berlin gegenüber allem Neuen und Innovativen – ganz gleich, ob und welcher Nutzen für Umwelt, Mensch und Stadt dabei herausspringt. „Ich habe eine neue Technologie entwickelt, Gelder in die Stadt geholt, Arbeitsplätze geschaffen. Aber sie behandeln mich wie einen Marsmenschen“, sagt Steeg dazu (ZEIT). Durch eine derartige Technologie- und Veränderungsfeindlichkeit nimmt sich Berlin jede Möglichkeit, die Stadt voranzubringen; von einer Motivation und Ermunterung an Menschen mit innovativen Ideen ganz zu schweigen.
Immerhin hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nach langwährender Angst vor „schwimmenden Partyzonen“ jüngst erkannt, wie gut eine Anlage zur Flussreinhaltung in ihr grünes Selbstverständnis passt, und unterstützt einen Aufkauf. Am 25.03. erfolgte eine weitere Verhandlung zwischen der Umweltverwaltung des Senats, den Berliner Wasserbetrieben und Steeg über eine städtische Übernahme des Projekts (TAZ). Offizielle Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Foto: Blick auf den Osthafen (Foto: Adbar, CC-by-SA 3.0)

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