Volles Haus im K-Salon: „Urbane Fahrradpolitik neu denken“

Am 21. April 2016 hat der Ortsverband Kreuzberg zur Diskussion um neue, moderne Fahrradpolitik eingeladen. Wigand v. Sassen aus München stellte die Kampagne „Radlhaupstadt München“ vor und erzählte von den Maßnahmen, mit denen München Probleme aus dem Weg räumt und damit dem zunehmenden Fahrradverkehr gerecht wird. Dabei ging er nachdrücklich auf die medialen Maßnahmen ein, mit denen man in München den Radverkehr fördert und den Menschen die Vorteile eindrücklich vor Augen hält. Daniel Pöhler von der„Initiative Volksentscheid Fahrrad“ berichtete in seinem Vortrag über die Berliner Initiative samt ersten Erfolgen und über die enorme mediale Berichterstattung, mit der die Initiative starten konnte. Bernd Schlömer, AGH-Spitzenkandidat der Freien Demokraten für Friedrichshain-Kreuzberg, gab eine politische Einschätzung des Themas Fahrradpolitik im Bezirk und in der Stadt Berlin. Er berichtete insbesondere von den Bemühungen der Kreuzberger Freien Demokraten, diesem Thema eine höhere Aufmerksamkeit zu widmen. Es gehe um die „Freiheit des Einzelnen, seine Mobilitätsoptionen selbst zu wählen“, so Schlömer. Dies setze eine Infrastruktur voraus, die keine Mobilitätsoption diskriminiert. Ein Antrag zur Förderung des Radverkehrs wurde schon vor dieser Veranstaltung vom Ortsverband beschlossen und findet sich auch im Wahlprogramm des Bezirks wieder.

In der anschließenden Diskussion stellten sich die Referenten den zahlreichen Fragen aus dem Publikum und es wurde rege diskutiert: Verdrängen Fahrräder den Autoverkehr? Warum nimmt der Fahrradverkehr so zu? Was kosten Fahrradstraßen wirklich? Warum sind die Budgets so klein?

Aus der Vielfalt der Diskussion konnten viele Erkenntnisse gezogen werden. Beispielsweise ist der Verkehr in Kreuzberg-Friedrichshain oft unsicher und träge, öffentlicher Parkraum wird ineffizient gestaltet, Fahrradstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche sind die Seltenheit. Insgesamt steht Berlin vor einer Mobilitätswende, die bereits mit Car-sharing-Modellen, zunehmenden Fahrradverkehr und zukünftiger Digitalisierung in unser Leben einzieht. E-Bikes, Uber, autonome Kfz, E-Mobility und lastflussbasierter öffentlicher Personennahverkehr, der sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Mobilitätsnachfrage orientiert, fordern den öffentlichen Raum in seiner Konzeption heraus, werden ihn ändern und verbessern. Dafür müssen bestehende historische Gegebenheiten geprüft und neu gedacht werden und sich insgesamt den modernen städtischen Anforderungen anpassen. Verwaltung und Politik müssen auf den heute noch vorherrschenden Missstand reagieren und sich für eine Verbesserung einsetzen.

Wir setzen uns daher für eine Stärkung lokaler Fahrradpolitik in Kreuzberg ein, damit Verkehrsflüsse effizienter und stadtverträglicher gestaltet werden. Wir sind uns im Klaren: Das Thema hat gerade erst begonnen. Oder, um es mit Wigand von Sassen zu sagen:

„Unabhängig davon, was Verwaltung und Politik wollen oder auch nicht wollen, die Bürger wollen und werden deutlich mehr Radfahren. Es geht nun darum, wie Städte mit dieser dynamischen Entwicklung umgehen – ob sie proaktiv, unterstützend und möglichst schnell darauf reagieren, oder den Trend verschlafen, an überkommenen Mobilitätskonzepten festhalten und den sich wandelnden Bedürfnissen der Bürger hinterherhinken. Der Radverkehr wird aber in jedem Fall ein zentraler Bestandteil der anstehenden Mobilitätswende in den Städten sein, je früher, desto besser!“